Das Fest! (Nachtrag)

Am Samstag, den 02. August 2008, war es dann endlich soweit: Wir feierten das Jubiläumsfest unserer 25-jährigen Partnerschaft. An diesem Tag sind wir gegen 08.00 Uhr los und nach Shangi gefahren. Die Fahrt dauerte für die etwa 25km lange Strecke knapp 1,5 Stunden. Zwischendurch machten wir noch Halt in Bushenge, im INCUTI-Lädchen. Ein kleiner Laden, der von unserer Pfarrei unterstützt wird und dessen Einnahmen in einen Schülerfonds fließen – „INCUTI“, das bedeutet Freundschaft, Freunde. Es ist ein kleiner überschaubarer Laden von vielleicht 4×4 Meter Grundfläche in dem man so allerlei Sachen, von Toilettenpapier über Batterien bis hin zu Stoffen, kaufen kann. Der Laden hatte bereits geöffnet und die Verkäuferin erzählte uns, dass das Geschäft zufriedenstellend laufen würde. Sie erklärte, dass das Warenangebot etwas größer, vielfältiger und der Laden dadurch attraktiver sein könnte. Die Frau schließt kurzerhand den Laden und wir nehmen sie mit nach Shangi zum Fest.

In Shangi werden wir bereits erwartet und viele, auch unsere Freunde aus Muyange, sind gekommen. Auf dem Weg in die Pfarrei merkte man bereits, dass heute ein besonderer Tag sein muß, die Menschen hatten ihre besten Kleider angezogen und auch wir hatten uns rausgeputzt, insbesondere unsere Frauen. Diese hatten in Shangi, von den dortigen Frauen, jeweils ein traditionelles Kleid genäht bekommen, welches sie zur Feier des Tages trugen.

Gegen 10.00 Uhr begann dann schließlich mit etwa 600 Menschen der feierliche Festgottesdienst in der provisorischen Kirche, einer Konstruktion aus Holzstämmen; Plastikplanen und Wellbleche bilden das Flachdach. Die eigentliche Kirche Shangis ist durch das Erdbeben erheblich beschädigt worden, so dass sie gesperrt werden musste und nicht mehr benutzt werden kann. Die Messe hielt Bischof Jean Damascene, der Gottesdienst dauerte etwa drei Stunden und die Zeit flog nur so dahin. Es gab so viel zu sehen, die Schulkinder welche vorm Altar tanzten, der Kirchenchor und die Gaben welche zur Segnung gebracht wurden. Diese reichten vom einfachen Korb mit Erdnüssen, Reis oder Bananen bis hin zu Hasen, Hühnern und Ziegen. Die Menschen müssen ihre kargen Vorratskammern geleert und ihr wertvollstes mitgebracht haben. Besonders begeistert haben uns die Gesänge des Chors und der Gemeinde – unbeschreiblich wenn mehr als 600 Menschen gemeinsam anfangen zu singen und zu tanzen, begleitet von Trommeln und einem Keyboard!

Nach der Messefeier wurde die Tageszeitung verlesen und wir hatten Gelegenheit, uns mit Wasser oder Cola, Fanta bzw. Sprite zu erfrischen. Währenddessen wurde die Kirche zu einem Festsaal mit Bühnenbereich umgestaltet und die Jubiläumsfeier konnte beginnen.

Es wurden Reden gehalten, viel gelacht, getanzt und gesungen! Ehrengäste aus Politik und der Gemeinde waren geladen, wir erhielten Geschenke und überreichten ebenfalls die unseren sowie das „Partnerschaftstuch“. Am späten Nachmittag endete die Feier mit einem Festessen im Gemeindesaal. Ein ganz besonderer Schmaus war hier der Geburtstagskuchen, geschmückt mit 25 Kerzen, die Bischof Jean Damascene, Pfarrer Alexis und Pfarrer Kaiser anzündeten und auspusteten.

Am Abend dann und bei Einbruch der Dunkelheit machten wir uns auf den Rückweg nach Cyangugu, überwältigt von den Eindrücken der Jubiläumsfeier und der Freundlichkeit und Gastfreundschaft die uns entgegengebracht wurde. In Cyangugu erwartet uns schließlich noch ein wenig Arbeit. Wir setzten uns mit Bischof Jean Damascene und dem Diözesanökonomen Evariste zusammen, um über den Wiederaufbau Shangis zu beraten. Evariste berichtete, dass etwa 1200 Familien in Shangi durch das Erdbeben ihr Haus verloren haben, etliche Privathaushalte seien beschädigt und man habe bereits um Hilfe bei der Caritas ersucht. Die ersten finaziellen Unterstützungen habe man dazu genutzt, um provisorische Schulen, Kirchen, Sanitäranlagen und Gemeinschaftsunterkünfte zu errichten. Das Kabinett Rwandas habe schließlich bereits Anfang Mai beschlossen, die Schulen wieder aufzubauen, bislang sei vom Staat jedoch keine Hilfe eingetroffen. Mit dem Bischof und Evariste kamen wir schließlich übereinstimmend zu dem Schluß, dass St. Martin helfen wird, den Mehrzweck- und Gemeindesaal in Shangi wieder aufzubauen. Der Saal wird von den verschiedenen Gruppen und Vereinen der Gemeinde genutzt, z. B. als Versammlungsraum, für Veranstaltungen und Treffen. Er ist u. a. auch Anlaufstelle für Hilfesuchende sowie für die Arbeitslosen-, AIDS- und Familienberatung.

Am späten Abend, nach etlichen Versuchen einen Internetzugang zustande zu kriegen, gehe ich müde auf mein Zimmer. Die Anderen schlafen bereits, denn am nächsten Tag werden wir nach Nyabitimpo an die burundische Grenze fahren. Wir sind dort zu einer Priesterweihe eingeladen und die Fahrt dauert etwa drei Stunden, so dass wir bereits um 06.00 Uhr frühstücken werden. Ich sage meinem Geko „Gute Nacht“ und falle erschöpft ins Bett.

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