Reisetagebuch – Ankunft in Kigali/Ruanda

Kigali International Airport

Der Flieger war bis auf den letzten Platz belegt, als sich Pfarrer Andreas Keller, Anna Welter, Dorothea und Joachim Fuchs, Agnes Mujawamariya, Anna-Maria Lenard und Bernhard Christian Erfort im Juli diesen Jahres auf den Weg nach Afrika machten. Die Delegation der Pfarrei St. Martin Kaiserslautern besuchte vom 21. bis 30. Juli 2011 ihre Partnergemeinden Shangi und Muyange in Ruanda.

Es war die erste Reise für Pfarrer Andreas Keller in das rheinland-pfälzische Partnerland und auch Anna Welter, Joachim Fuchs und Anna-Maria Lenard machten sich zum ersten Mal auf den Weg in das ca. 6500 km entfernte „Land der tausend Hügel“. 

Während der letzten Reise durch das afrikanische Land, vor drei Jahren, konnten sich Dorothea Fuchs und Bernhard Erfort bereits ein Bild über die Lage in den Partnergemeinden machen. Die Region im Südwesten Ruandas war damals von einem Erdbeben erschüttert worden. Häuser und Hütten, Schulen, Kirchen und Gemeindezentren waren zerstört, vielen Menschen war in den wenigen Sekunden des Bebens ihre Lebensgrundlage entzogen worden. Hilfe war dringend nötig und der Wiederaufbau wurde schnell in Angriff genommen.

In diesem Jahr wollten wir uns nun ein Bild davon machen, ob unsere Hilfe angekommen ist und wie weit die einzelnen Projekte fortgeschritten sind. Außerdem sollte es der Antrittsbesuch von Pfarrer Andreas Keller werden, der unsere Partnergemeinden bislang nur vom Hörensagen her kannte.

An dieser Stelle sei schon erwähnt, dass unsere Partnergemeinde in Shangi fast nicht wieder zu erkennen war: dort wo sich tiefe Gräben durch die Landschaft zogen, Schuttberge und Steine sich auftürmten, sich Risse und Löcher in den stehengebliebenen Mauern auftaten, steht nun ein Schulzentrum und strahlt das Kirchengebäude in neuem Glanz. Die Sekundarschule mit dem Internat der Franziskanerinnen wurde renoviert und erweitert, das Pfarrzentrum ist ebenfalls wieder aufgebaut und der Gemeindesaal „Salle Polyvalente“ ist im ersten Bauabschnitt bereits fertiggestellt. In die Gemeinden ist das bunte Leben zurückgekehrt.

Doch von Anfang…
Spätabends am 21. Juni 2011, hebt die Boing 767 der Ethiopian Arilines, um 23.35 Uhr, in Frankfurt am Main ab. Der Flug geht über Addis Abeba/Äthiopien nach Uganda und schließlich nach Ruanda. Das Umsteigen in Addis Abeba klappte prima und wir landete nach fast 14 Stunden auf ruandischem Boden in der Hauptstadt Kigali.

Einige von uns waren bereits schon weit mehr als 24 Stunden auf den Beinen und dementsprechend groß war die Begeisterung, als das Gepäckband am Flughafen in Kigali stehen blieb und sich die Ladeklappe schloss. Da standen wir nun, ohne Koffer! Hatte das Umsteigen in Addis Abeba doch nicht so geklappt?! Mit uns stehen noch etwa 10 Deutsche am Gepäckband, auch ihre Koffer fehlen. Wir fragen uns durch und nach etwa einer Stunde, die Klappe hatte sich wieder geöffnet und das Gepäckband setzt sich in Bewegung, hatten auch wir alle unsere Koffer wieder. Die letzte Kontrolle im Flughafen und dann verlassen wir den Sicherheitsbereich. 

Freudig erwarten uns in der Empfangshalle bereits Pfarrer Alexis Nshimiyimana aus Shangi und Pfarrer Eugène aus Mibilzi sowie unser Dolmetscher Charles Kabayire. Außerdem noch Bosco unser studentische Reisebegleiter für Kigali sowie Hamut der uns die nächsten Tage mit seinem roten Minibus, einem Toyota Hiace, fahren wird. 

Charles hat mir eine ruandische Mobilfunkkarte besorgt, fix wird diese eingelegt, damit auch schon die erste Twitter-Meldung raus kann. Es dauert nicht lange, da wurde meine neue Telefonnummer bereits weitergegeben und das Handy klingelt. Es ist Jean Nsengumuremyi aus Muyange, wir hatten ihn vor drei Jahren zur Jubiläumsfeier getroffen. Er studiert mittlerweile in Kigali und möchte sich mit uns treffen. Das Fischrestaurant vor drei Jahren, dort, das war gut.

Nachdem unser Gepäck im Minibus und dem Geländewagen von Eugène verstaut ist, fahren wir ins Kloster „Centre d’accueil Bonne Esperance“. Es wird unsere Unterkunft für die erste Nacht in Ruanda sein. Die Fahrt geht durch Kigali, die Hauptstraßen hier sind gut ausgebaut. Es herrscht reger Straßenverkehr, überall sind Menschen unterwegs, zu Fuß und auf dem Fahrrad oder mit dem Motorrad. Etliche Autos hupen sich den Weg frei, scheinbar herrscht Chaos und doch funktioniert alles auf eine unsichtbar geordnete Weise. 

Wir beziehen unser Quartier, das einige von uns schon von der letzten Reise kennen. Die Zimmer sind klein, zwei Betten, ein Stuhl und ein Schrank. Der Platz reicht gerade so, um noch einen Koffer dazwischenzustellen. Über den Betten hängen Moskitonetze, die selben wie vor drei Jahren?! Nach einer waghalsigen Kletterpartie habe ich das Netz über meinem Bett gegen mein top-imprägniertes, eigenes Moskitonetz ausgetauscht – irgendwie ein beruhigenderes Gefühl. Kurz frisch machen, dann geht´s zum Essen. Es gibt Suppe, gefüllte Teigtaschen und Bananen.

Nach dem Essen steht dann auch schon der erste Besichtigungstermin auf dem Programm, eine Recycling- und Holzfabrik in Kigali. Wir sind nicht einmal seit drei Stunden in Ruanda und schon sind die Strapazen des Fluges fast vergessen, so überwältigen sind die Eindrücke und Bilder von Ruanda, die wir mitnehmen dürfen. 

In der Fabrik – eher eine riesige Lagerhalle, zu allen Seiten hin offen – entstehen aus alten Benzinkanistern und Tonnen einfache Koch- und Feuerherde. Die Kommune, bestehend aus ca. 100 Arbeiterinnen und Arbeiter, kauft außerdem Holz an und fertigt hieraus Betten, Schränke, Tische und Stühle sowie Särge. Die Qualität der Produkte ist ausreichend, das Holz zum größten Teil nicht abgelagert und so verziehen sich die Möbelstücke schnell. Dennoch scheint die Fabrik gut zu laufen, auf dem Rückweg fallen uns dann auch einige Möbelgeschäfte auf, die solche Betten und Tische anbieten.

Wir fahren weiter zum Koordinationsbüro des Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz/Ruanda e. V. und treffen dort auf den Geschäftsführer des Büros, Herrn Uwe Mayer. Er begleitet uns mit seiner Ehefrau, den Priestern, Charles, Bosco und Hamut ins „Ten to Two“. Es gibt dort einen Fisch, tellergroß und superlecker, den man jeweils zu zweit mit den Händen isst – Besteck wird nicht gereicht. 

Pappsatt falle ich gegen 22.30 Uhr in mein Bett, es hängt etwas durch und ist viel zu kurz. Nun, quer gelegen müsste es gehen. Noch einmal twittern und dann Licht aus! Für den nächsten Tag sind wir mit Uwe Mayer im Koordinationsbüro verabredet…

 

 

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