Eine bessere Zukunft für Ruanda

Christine Nkulikiyinka (2. von links) und Andreas Keller (4. von links)

Bei Gedenkgottesdienst mit Botschafterin Christine Nkulikiyinka und Innenminister Roger Lewentz an Völkermord erinnert.

„Wir wollen das Geschehene nicht vergessen und bewusst an den schrecklichen Genozid erinnern. Wir wollen aus der Tragödie Lehren ziehen und für Ruanda eine bessere Zukunft aufbauen.“ Das hat Christine Nkulikiyinka, die ruandische Botschafterin in Deutschland, gestern vor über 200 Besuchern aus ganz Rheinland-Pfalz in der Martinskirche betont. Mit einem bewegenden ökumenischen Gedenkgottesdienst, geleitet von Andreas Keller, Pfarrer der Martinspfarrei, und Klaus Wilhelm, protestantischer Pfarrer an der Berufsbildende Schule II Wirtschaft und Soziales, gedachten ruandische Studierende der Technischen Universität Kaiserslautern und Partnerschaftsgruppierungen von Schulen und Gemeinden der Opfer, den Angehörigen und den Überlebenden des Völkermords. Der begann am 6. April 1994 in dem Land Zentralafrikas. „In hundert Tagen wurden über eine Million unschuldiger Frauen und Männer misshandelt, gefoltert und umgebracht“, erinnerte die Botschafterin an das Massaker. Gedenken bedeute an die Verstorbenen zu denken, aber auch den Mut aufzubringen, seine eigene Geschichte zu beleuchten, Lehren aus ihr zu ziehen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

Ruanda sei heute ein stabiles Land, das 10,5 Millionen Menschen ein Zuhause biete. Beeindruckend seien Kraft und Mut, mit denen die Menschen in Ruanda ihr Schicksal in die Hand genommen haben, um für sich und ihre Kinder ein besseres Leben zu gestalten. Christine Nkulikiyinka dankte allen Freunden Ruandas für das Gedenken: „Den Menschen in Ruanda zeigt ihr, ihr seid nicht allein! Das gibt uns zusätzliche Kraft.“

Innenminister Roger Lewentz überbrachte die Grüße von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Er ließ seinen Besuch im vergangenen Jahr anlässlich des 30. Partnerschaftsjubiläums zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda in Kigali Revue passieren, erinnerte an zahlreiche Begegnungen mit jungen Menschen beider Länder. „Sie haben sofort eine gemeinsame Sprache gefunden.“ Der Besuch in einem Verein, in dem Angehörige von Opfern und Tätern gemeinsam ihre Zukunft organisieren, habe gezeigt, dass Versöhnung ohne Vergeben schwierig sei. „Wir müssen alles tun, damit sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt“, sagte Lewentz. Er plädierte dafür, die Partnerschaft mit Leben zu erfüllen und fortzuführen. „Ruanda ist Teil von Rheinland-Pfalz.“

Pfarrer Andreas Keller erinnerte an seinen Besuch vor zwei Jahren in der Partnergemeinde Shangi. Er zeigte sich von grünen Hügeln und den vielen Kindern Ruandas beeindruckt. Die Pfarrei St. Martin nehme das Wohl der Kinder in den Blick. „Sie brauchen Nahrung, gesundheitliche Betreuung und Schulbildung.“ Kinder träumten von einer friedlichen Welt. Ohne Versöhnung gebe es für die Kinder Ruandas keine Zukunft. Versöhnung sei so notwendig wie Ernährung, Gesundheit und Bildung. Sie setze Vergebung voraus. „Wer nicht vergibt, kann den Kindern derer, die ihm Unrecht taten, nichts Gutes tun“, sagte Keller und verwies auf Vergeben und Verzeihen als Anliegen der Botschaft Jesu Christi.

Die Gedenkfeier und der anschließende Empfang im Edith-Stein-Haus wurden vom Hohenstaufen-Gymnasium, dem Partnerschaftsverein St. Martin, ruandischen Studierenden und der BBS II gestaltet.

von Joachim Schwitalla,
veröffentlicht in: DIE RHEINPFALZ, Nr. 89, 17. April 2013

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