Roter Sand und Gruen in allen Farben

Wir sind in unserer Partnergemeinde Shangi angekommen, ich berichte heute aus dem Haus des Bischofs in Cyangugu.

Nachdem wir gestern in Kigali losgefahren sind, fuehrte unser Weg nach Butare, dort legten wir eine Pause ein. Herr Farrenkopf und seine Ehefrau begleiteten uns zunaechst ein Stueck in einem Gelaendewagen, sie wurden von dem Finanzverwalter und Oekonom der Dioezese, Evariste Abbe Nambaje, gefuehrt, waehrend wir in unserem Minibus mit unserem Fahrer Martin, Leoncie und Pfarrer Alexis voraussfuhren. Unsere Begleiter mussten zunaechst eine Werkstatt aufsuchen, um einen Reifen wechseln zu lassen.

Die Fahrt nach Butare verlief problemlos – die Strassenverhaeltnisse waren wider erwarten sehr gut, was sich ab Butare und durch den Urwald, den Nationalpark Nyungwe, rasant aenderte. Etliche Schlagloecher, teilweise so tief wie Badewannen, saeumten unseren Weg, so dass die Fahrt abseits der Strasse in unbefestigtem Gelaende oftmals komfortabler erschien. Die einbrechende Dunkelheit gegen 18.00 Uhr und die Tatsache, dass wir in Buyange recht spaet fortkamen erschwerte die Fahrt zunehmend. Letztlich passierten wir gegen 19.00 Uhr den Pfarrbereich Shangi, wo wir nur kurz anhielten und uns Herr Farrenkopf einholte. Trotz der Anstrengungen konnten wir viele Eindruecke sammeln und geniessen. Das Land hier ist einfach ueberwaeltigend – Huegel an Huegel, rote Erde bepflanzt mit Gruen in allen erdenklichen Farbtoenen, Bananen- und Teefelder, Kaffee- und Zuckerrohranbau, dazwischen einfache und aermliche Lehmhuetten und Menschen, unvorstellbar viele Menschen – Ruanda ist eines der bevoelkerungsstaerksten Laender Afrikas. Sobald unser Fahrer den Minibus nur kurz anhaelt sind wir umringt von Kindern und neugierigen Blicken – ein seltsames Gefuehl.

In Cyangugu, bei Bischof Jean Damascene, kamen wir schliesslich wohlbehalten und gut durchgeruettelt am spaeten Abend an. Der Empfang hier war sehr herzlich und wir sind komfortabel untergebracht. Muede fallen wir nach einem gemuetlichen Beisammensein und guten afrikanischem Abendessen in unsere Betten. Kleine Gekos in den Zimmern, ueber den Betten und an den Fenstern bewachen unseren Schlaf und schuetzen vor Moskitos.

Heute, am 31. Juni 2008, fuehrte unser Weg schliesslich nach Muyange, in die Nachbargemeinde Shangis – die Gemeinden gehoerten frueher zusammen, so dass heute auch hier noch ein freundschafliches und partnerschaftliches Verhaeltnis besteht. In Muyange besichtigten wir zunaechst die offiziellen Gebaude der Pafrrei, diese sind von dem Erdbeben zum Glueck doch nur leicht beschaedigt. Herr Farrenkopf stand uns hier beratend zur Seite und sieht in einer Reparatur der Gebaude keine Probleme, diese duerfte gut zu bewerkstelligen sein. Ein groesseres Problem stellt die defekte Photovoltaikanlage dar, Muyange und insbesondere das dortige Gesundheitszentrum sind auf diese angewiesen, zur Zeit wird notduerftig mit einem Dieselmotor Strom erzeugt. Die Anlage wieder in Gang zu bringen und dauerhaft zu betreiben wird eine Hauptaufgabe in Muyange sein.

Nach den Besichtigungen feierten wir mit der Gemeinde eine Messe, diese dauerte zwei Stunden und wurde vom Chor der Gemeinde feierlich begleitet – die Rhythmen, Gesaenge und Taenze sind beindruckend und beruehrten uns.

Nach dem Gottesdienst wurden wir von der Gemeinde empfangen und konnten viele Darbietungen, kleine Theaterstuecke und wieder Taenze und Gesaenge geniessen. Die einzelnen Gruppierungen, wie z. B. die Gruppe der Abendkinder, die Gruppe AIDS-Kranker und Elternvertreter stellten sich vor, viele bedankten sich fuer die in der Vergangenheit geleistete Unterstuetzung aus St. Martin und freuten sich sichtlich uns als Gaeste begruessen zu koennen. Ein Geschenk, dass emotional sehr bewegte.

Einen Hoehepunkt bildete wohl auch die Ziege, welche Pfarrer Kaiser als Geschenk fuer St. Martin ueberreicht bekommen hatte – Reiseproviant und Verpflegung fuer die naechsten Tage! ;-)

Nach dem Empfang der Gemeinde waren wir noch zu einem etwas verspaetem Mittagessen eingeladen, so dass wir gegen 17.30 Uhr die Heimreise antraten. Unser Weg fuehrte uns noch an der Grundschule in Mukoma vorbei, welche im Pfarrgebiet von Muyange liegt und durch das Erdbeben gaenzlich unbenutzbar zerstoert wurde. Herr Farrenkopf sieht hier nur die Moeglichkeit eines kompletten Neuaufbaus.

Nachdem wir Agnes in Bushenge, in der Naehe ihres Elternhauses abgesetzt hatten, kamen wir spaet abends wieder in Cyangugu an. Christian Stich sprang hier waehrend der Fahrt noch als Aushilfsfahrer ein, der Fahrer von Herrn Farrenkopf hatte naemlich bereits Feierabend gemacht. Christians Traum, einmal in Afrika einen Gelaendewagen zu fahren, erfuellte sich somit.

Morgen werden wir nun endlich unsere Partnergemeinde in Shangi besuchen. Diese soll vom Erdbeben schwer getroffen sein. Wir werden uns mit Vertretern der einzelnen Gruppen treffen und hoeren, was diese zu berichten haben.

Nun gilt es aber sich ersteinmal den roten Sand aus den Klamotten zu klopfen, vielleicht noch eine kalte Dusche und dann erschoepft, aber doch irgendwie auch gluecklich hier sein zu koennen, ins Bett zu fallen.

2 Gedanken zu „Roter Sand und Gruen in allen Farben

  1. Hallo Bernie!
    Lieber Christian, liebe Hannah, liebe Dorothea, lieber Norbert!
    Schön zu hören, dass es euch gut geht. Mit Wehmut lese ich das Reisetagebuch und weiß vom Kopf her, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, zu meiner Fortbildung nach Hamburg zu fahren – mein Bauch und mein Herz sagen etwas anderes. Ich wünsche euch viele gute Gespräche und Eindrücke – kommt gut wieder!

    Petra

  2. Hallo Euch Allen!
    Mit Spannung erwarten wir jedesmal den neuen Eintrag im blog und sind froh, wenn wir erfahren, dass es Euch gut geht.Die Berichte begleiten uns in der Zeit Eurer Abwesenheit und lassen uns ein wenig Teilhaben an Euren Erlebnissen. Vielen Dank! Alles Gute weiterhin. Bis Freitag.
    Liebe Grüße, Elke Biehl

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.